Bibliotherapie: Lesend uns selbst begegnen

Du hast das Wort „Bibliotherapie“ noch nie gehört? Auch mir ging es so – bis ich auf Trude Schneider traf! Und nun weiß ich: hinter Bibliotherapie steckt tiefe Selbstverantwortung für das eigene Empfinden…. lies dich gerne schlau im Gastbeitrag von Trude Schneider.
“Wir können das Herz nicht wirklich verändern, ohne eine Geschichte zu erzählen.”
Martha Nussbaum

Trude Schneider – die sympathische Frau hinter LITERATURPOWER

Erinnerst du dich an jene friedvollen Stunden deiner Kindheit, in denen dir fantastische Geschichten vorgelesen wurden, voller Magie und spannender Geheimnisse? Dass Musik und Bilder einen therapeutischen Einfluss auf uns haben können, ist den meisten Menschen bekannt. Dass auch Geschichten eine besondere Wirkung auf unsere Psyche haben, ist hierzulande jedoch längst nicht so weit verbreitet wie im englisch- und französischsprachigen Raum. Bibliotherapie nennt sich dieses Phänomen und beleuchtet unsere individuellen Leseprozesse. Denn auch Erwachsene profitieren von den heilenden Kräften des Lesens.

Im Grunde haben wir alle bereits Bibliotherapie betrieben. Wer kennt sie nicht, diese Bücher, die wir lesen und die uns tief im Inneren berühren, verändern oder sogar herausfordern? Beim Lesen investieren wir mehr als nur Zeit und Konzentration. Emotionen werden aktiviert. Wir setzen uns auf kognitiver und emotionaler Ebene mit den verschiedensten Sachverhalten auseinander. Manchmal finden wir erst durch das Lesen Worte für etwas, was uns bislang unaussprechbar schien. Ilse Orth, eine der Begründerinnen der Bibliotherapie im deutschsprachigen Raum, meinte einst, dass Literatur das Unsagbare sagbar mache.

Ein kleiner Rundgang durch die örtliche Buchhandlung oder ein Besuch in der Bibliothek kann also durchaus mehr bedeuten, als nur die Suche nach dem nächsten Lesestoff. Welche Bücher uns jeweils ansprechen und tatsächlich eine positive Wirkung auf uns ausüben ist dabei sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig. Es lohnt offen für neue Genre zu sein, Empfehlungen nachzugehen und auf alle Fälle eine feste Leseroutine in den Alltag zu integrieren. Menschen, die viel lesen, sind nicht nur entspannter, sondern auch resilienter und sogar empathischer. Denn auch das soziale Lernen wird durch Geschichten gefördert.

Wenn du mehr über das Thema Bibliotherapie erfahren möchtest, empfehle ich dir das wunderbare Werk “Lesen als Medizin” von Andrea Gerk, erschienen 2015 im Verlag Rogner & Bernhard. Oder du schaust auf meiner Hintergrundseite vorbei, auf der ich sehr ausführlich über die wunderbare Kraft der Literatur berichte: Bibliotherapie.


Trude Schneider ist freiberufliche Literaturwissenschaftlerin und betreibt seit 2018 Literaturpower: die erste deutschsprachige Plattform für bibliotherapeutische Inhalte. Auf Literaturpower findest du das Buch passend zu deinem Lebensgefühl. Trude ist außerdem auf Instagram, Facebook, Twitter und Pinterest unterwegs.

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